Aktuelle Meldungen

Musikphysiologische Ausbildung bald Pflichtfach an Musikhochschulen?

DOVmaganzin 05/18 Bei der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen hat sich ein Panel mit dem Thema Musikergesundheit beschäftigt. An der Konferenz am 24. Mai in Köln nahmen auch zwei Vertreterinnen der AG Gesundheit und Prophylaxe teil. Im Vorfeld hatten die DOV und die Deutsche Gesellschaft für Musikermedizin und Musikphysiologie (DGfMM) ein gemeinsames Positionspapier zur musikphysiologischen Ausbildung an den Musikhochschulen initiiert.

Prof. Altenmüller vertrat die DGfMM und betonte, dass auf diesem Gebiet mehr Wissen vermittelt werden muss. Weil die Anforderungen an Berufsmusiker gestiegen sind, ist auch die Gefahr höher, an berufsspezifischen Überlastungssyndromen zu erkranken. Die beiden DOV-Vertreterinnen Andrea Beck und Sieglinde Fritzsche untermauerten die Ausführungen mit ihren praxisnahen Erfahrungen. Das Thema fand große Resonanz bei den teilnehmenden Rektoren. Alle waren sich einig, dass die musikphysiologische Ausbildung langfristig als Pflichtfach zur fachlichen Grundausbildung an allen Hochschulen gehören muss. An einigen Hochschulen gibt es bereits Angebote auf hohem Niveau.

 

Personalvertretungen: Rechte und Pflichten beim Schallschutz

DOVmagazin 04/18, S. 9 Schallschutz ist in den Orchestern ein Kernthema beim Gesundheitsschutz und wird von Orchestervorständen und Personal- bzw. Betriebsräten zunehmend thematisiert. Als Teilbereich des Arbeitsschutzes unterliegt er der Mitbestimmung „bei Maßnahmen zur Verhütung von Dienst- und Arbeitsunfällen und sonstigen Gesundheitsschädigungen“ nach § 75 Abs. 3 Nr. 11 Bundespersonalvertretungsgesetz (für Betriebsräte: § 87 Abs. 1 Nr.7 BetrVG). Die damit verbundenen Rechte und Pflichten des Personalrats gegenüber allen zuständigen Behörden und dem Arbeitgeber regelt § 81. § 68 Abs.1 Nr.1 verpflichtet ihn, notwendige „Maßnahmen… zu beantragen“. Das Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln zur Umsetzung dieser Verordnung sind ebenfalls hilfreich.

 

Gesundheitsmentoren für das Philharmonische Staatsorchester Mainz

DOVmagazin 04/18, S. 9 Im Projekt gesundes orchester werden Gesundheitsmentoren in der Internationalen Musikschulakademie Kulturzentrum Schloss Kapfenburg ausgebildet. Vom Philharmonischen Staatsorchester Mainz lernen drei Musiker, Kollegen zu beraten oder weiterzuvermitteln und praktische Elemente in den Alltag zu integrieren.

 

Wiedereinstieg ins Orchester nach längerer Krankheit

DOVmagazin 02/18, S. 8 Nach längerer Erkrankung erfolgt der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben häufig stufenweise (sogenanntes Hamburger Modell). Der Zeitraum reicht von wenigen Wochen bis zu einem halben Jahr. Die Wiedereingliederung ins Orchester ist besonders erfolgreich, wenn einige Regeln beachtet werden:

  • Der Arbeitgeber hat keinen Anspruch auf die Arbeitsleistung. Der Arbeitnehmer ist während der stufenweisen Wiedereingliederung weiterhin krankgeschrieben. Deshalb erhält er kein Arbeitsentgelt, sondern weiter Kranken- bzw. Übergangs- oder Verletzengeld.
  • Der Arbeitnehmer stimmt mit seinem Arzt einen Eingliederungsplan ab.
  • Der Arzt legt fest, wieviel Stunden der Musiker täglich arbeiten kann. Die Zustimmung der Krankenkasse und des Arbeitgebers sind erforderlich.
  • Zur Arbeitszeit gehört nicht nur der Dienst im Orchester bei Proben und Aufführungen, sondern auch das häusliche Üben. Geht man von etwa sieben Diensten in der Woche mit täglich rund drei Stunden aus, sind das 21 Stunden. Hinzu kommen zwei bis drei Stunden Üben zu Hause. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt also rund 40 Stunden.
  • Der Einstieg erfolgt sanft und soll nicht überfordern. Teilweise spielen Musiker bei der Wiedereingliederung nur einzelne Proben oder Aufführungen. Das künstlerische Ergebnis im Konzert ist jedoch nicht von der Probenphase zu trennen. Deshalb kann es sinnvoll sein, dass der Betroffene zunächst nur bei einzelnen Projekten mitwirkt. Der Musiker muss sich den Dienst- bzw. Spielplan also genau ansehen. Am besten macht er gemeinsam mit seinem Arzt konkrete Vorschläge und stimmt sie mit dem Arbeitgeber bzw. den beteiligten Gremien und der Fachgruppe im Orchester ab.
  • Je nach Verlauf sollte die Belastung allmählich gesteigert werden.

Dieses Modell hat sich in der Praxis bewährt. DOV-Mitglieder erhalten von den Juristen der Rechtsabteilung eine auf den konkreten Einzelfall zugeschnittene Beratung.

 

Neues DOV-Positionspapier: Musikphysiologische Grundlagenausbildung für professionelle Musikerinnen und Musiker

DOVmagazin 02/18, S. 4 Wie in anderen Berufen steigen die Anforderungen an professionelle Musikerinnen und Musiker. Höhere gesundheitliche Risiken sind die Folge. Durch Prävention und  Prophylaxe können beruflich bedingte Krankheiten signifikant sinken. An den Musikhochschulen lernen Studierende, ihre Instrumente auf höchstem künstlerischen Niveau zu spielen. Für die Berufspraxis benötigen sie aber auch Wissen, wie sie sich über Jahrzehnte gesund halten. Eine wesentliche Voraussetzung ist deshalb auch die musikphysiologische Ausbildung von Studierenden. Im Positionspapier macht die DOV Vorschläge, wie sie im Curriculum der Musikhochschulen sinnvoll verankert werden kann. Das Papier ging auch an die Rektorenkonferenz der Musikhochschulen.

 

Ausstellung zum Thema Musikermedizin

DOVmagazin 01/18, S. 7 In der Musikerambulanz am Universitätsklinikum Düsseldorf hat eine Fotoausstellung zu Berufskrankheiten von Musikern stattgefunden. Initiator war der Fotograf Hartmut Bühler.
Interessierte konnten seine Fotos vom 5. Oktober bis zum 9. November 2017 sehen.

Bühler fotografierte Betroffene während oder nach Therapiesitzungen. Er versteht seine Arbeit als „Annäherung an das Tabuthema Alptraum Berufsunfähigkeit“.

 

Expertise der AG Gesundheit beim Deutschen Betriebsärzte-Kongress gefragt

DOVmagazin 01/18, S. 7 Beim Deutschen Betriebsärzte-Kongress hat Gottlob Schmücker einen Vortrag über psychische Belastungen von Orchestermusikern gehalten. Schmücker ist Mitglied der DOVArbeitsgruppe Gesundheit & Prophylaxe. Der Kongress fand Ende Oktober 2017 in Würzburg statt.

Im Rahmen des Vortrags Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz bei Orchestermusikern erinnerte Schmücker an die gesetzlichen Bestimmungen, die eine enge Zusammenarbeit von Betriebsärzten und Personalvertretungen vorschreiben. Anschließend stellte er ein Papier der DOV-Arbeitsgruppe vor, in dem die allgemein gehaltenen Leitlinien zur Erfassung psychischer Belastungen mit musikerspezifischen Ausprägungen zusammengeführt werden.

Schmücker äußerte die Hoffnung, dass Orchester mittelfristig offener mit dem Thema umgehen werden. In Zusammenarbeit mit den Betriebsärzten setzt er auf eine entsprechende Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

 

Fokale Dystonie bei Musikern als Berufskrankheit anerkannt

14.08.2017 Fokale Dystonie ist seit dem 1. August 2017 amtlich als Berufskrankheit anerkannt. Dabei handelt es sich um eine motorische Störung beim Spielen eines Instruments, zum Beispiel Oboe oder Posaune. Weil Muskeln und Gefäße nicht mehr ihren normalen Spannungszustand haben, leiden Betroffene unter neurologischen Bewegungsstörungen. Im Extremfall können Musiker ihr Instrument überhaupt nicht mehr spielen. Die DOV setzte sich lange für die Anerkennung der fokalen Dystonie als Berufskrankheit ein.

Fokale Dystonie ist eine von fünf Krankheiten, die mit der 4. Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung anerkannt wurde. Damit folgte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den fachlichen Empfehlungen seines wissenschaftlichen Beirats. Die fokale Dystonie bei Instrumentalmusikern betrifft ausschließlich professionell Musizierende, zum Beispiel Orchestermusiker oder Musiklehrer. Die Zahl erkrankter Musikerinnen und Musiker wächst, auch jüngere sind bereits betroffen.

Zur Erkrankung führen zu wenig Ruhepausen, Erschöpfung, Konkurrenz und Leistungsdruck, aber auch dauerhafte Überlastung im privaten Bereich. Bei der Genesung spielt es eine große Rolle, wie flexibel Arbeitgeber und Kollegen reagieren und wie sie Betroffene unterstützen. Der Heilungsprozess ist meistens langwierig.

Durch zunehmende Leistungsorientierung wird gesundheitliche Prophylaxe immer wichtiger, damit Krankheiten erst gar nicht entstehen. Auch in der Musikerausbildung sollten die Lehrkonzepte weiter angepasst werden.

 

DOV-Arbeitsgruppe Gesundheit bietet bessere Schallschutzwände

13.07.2017 – ­­­­­Orchester können ab Oktober qualitativ noch hochwertigere Schallschutzwände testen. Dann bieten Mitglieder der DOV-Arbeitsgruppe Gesundheit und Prophylaxe im Rahmen des Willibert-Steffens-Projekts weiterentwickelte Modelle an.

Schallschutzwände speziell für Orchester regte Willibert Steffens an, der über ein Jahrzehnt Vorsitzender der Arbeitsgruppe war. Die Möglichkeit, diese Wände für zwei bis drei Monate zu leihen, haben bereits viele Orchester genutzt. Auf der Basis der gesammelten Erfahrungen wurden die Wände nun weiterentwickelt. Sie sind kleiner und leichter. Damit sind sie auch flexibler einsetzbar. Anders als bei den bisherigen Schallschutzwänden ist zudem der Winkel des oberen Plexiglasteils verstellbar. Damit können sie besser an Sitz- und Lichtgegebenheiten angepasst werden. Auch die sichtbehindernden horizontalen Metallstreben gibt es nicht mehr.

Bei Interesse können sich Orchestervertreter in der DOV-Geschäftsstelle bei Frau Grosset grosset@dov.org melden.

 

Musikmedizinische Sprechstunde an der Berliner Charité: Prophylaxe wird immer wichtiger

15.10.2016 – Die künstlerischen und körperlichen Anforderungen an Berufsmusikerinnen und –musiker sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Gesundheitsprophylaxe wird deshalb immer wichtiger. Denn im Laufe ihrer Karriere stoßen die meisten irgendwann einmal an gesundheitliche Grenzen. Mit diesem Thema beschäftigte sich vor kurzem ein Fachkongress der Europa-Gruppe der internationalen Musikergewerkschaft FIM in Berlin. Doch nicht nur Experten diskutieren das Thema auf wissenschaftlichem Niveau. Inzwischen hat sich auch in der Praxis einiges getan.

An der Charité Berlin zum Beispiel arbeitet das Kurt-Singer-Institut für Musikphysiologie und Musikergesundheit (KSI) auf diesem Gebiet. Es wurde 2002 von der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin gegründet. „Heute ist es übergreifend für beide Hochschulen aktiv mit dem Ziel, die gesundheitliche Situation von Berufsmusikern zu verbessern“, heißt es auf der Homepage.

Institutschef Alexander Schmidt, Facharzt für Neurologie, bietet eine allgemeine ärztliche Sprechstunde an. Dort werden Musikerinnen und Musiker beraten, die an berufsbedingten Gesundheitsstörungen oder psychologischen Problemen im Zusammenhang mit Aufführungen leiden. Als diplomierter Konzertpianist hat Schmidt auch eine Vorstellung von den Schwierigkeiten in der Praxis. Die Beratung ist kostenlos und auch offen für Studierende. Die Kontaktdaten zur musikermedizinischen Sprechstunde sowie weitere Informationen finden Sie hier.

Das KSI ist auch in der klinischen Forschung aktiv. Es „widmet sich der Suche nach Ursachen von berufsbedingten Musikererkrankungen sowie der Optimierung zugehöriger diagnostischer Verfahren und Therapien“, heißt es weiter auf der Institutsseite. Ein Schwerpunkt liege im Bereich neurologischer Bewegungsstörungen insbesondere der fokalen Dystonie bei Musikern. Zweiter Forschungsschwerpunkt ist der Einfluss von Musik und Musizieren auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern und Erwachsenen.

 

Neues Buch zur Musikergesundheit

Buchcover: Claudia Spahn - Musikergesundheit in der Praxis, Henschel Verlag, Leipzig, 2015.
© Henschel

9.10.2015 – Im September ist das Buch Musikergesundheit in der Praxis erschienen. Die Herausgabe unterstützte die DOV.

Autorin Claudia Spahn beschreibt die Grundlagen des Musizierens. Anschließend beschreibt sie Wege der Prävention und Gesundheitsförderung. Praktische Übungen ergänzen die Darstellung.

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