Staatsbad Philharmonie Kissingen interveniert beim Festakt "Wir sind Welterbe"

Orchestermitglieder fordern nach jahrelangem Hinhalten endlich faire Einkommen und Arbeitsbedingungen
Staatsbad Philharmonie Kissingen
Die Musikerinnen und Musiker der Staatsbad Philharmonie Kissingen wollen faire Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung © DOV

Berlin – Mit einer Aktion beim Festakt zur Verleihung des Titels Unesco-Welterbe an Bad Kissingen haben die Mitglieder der Staatsbad Philharmonie Kissingen heute den Arbeitskampf eröffnet. Sie musizierten in Streikwesten und verteilten im Anschluss Flyer vor dem Max-Littmann-Saal. „Mit diesem Auftritt ziehen die Musikerinnen und Musiker die Konsequenz aus der jahrelangen Hinhaltetaktik des Arbeitgebers, der ihnen seit 2018 einen Tarifvertrag verweigert“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. „Wir fordern Oberbürgermeister Dirk Vogel und Kurdirektorin Sylvie Thormann auf, sich mit uns als Gewerkschaft an einen Tisch zu setzen, damit endlich faire Einkommen und Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden.“

Die Staatsbad Philharmonie Kissingen steht als meistspielendes Ensemble der Welt mit 727 Auftritten pro Jahr im Guiness Buch der Rekorde und ist eines der Aushängeschilder der Kurstadt. Doch die 13 Mitglieder werden wesentlich schlechter bezahlt als in Deutschland üblich. Außerdem liegt ihre Arbeitszeit weit über dem für andere Orchester vereinbarten Soll. „Die meisten verdienen trotz ihrer hochqualifizierten Studienabschlüsse nur um die 2.900 Euro brutto im Monat. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung steht ihnen aber viel mehr zu", sagt Mertens. Ein Mitglied eines Orchesters der Tarifgruppe D sollte mit 19 Jahren Berufserfahrung rund 4.000 Euro verdienen. Hinzu kommen die üblichen Zulagen wie Kleider-, Rohr-, Blatt- und Saitengeld.

Die Mitglieder der Staatsbad Philharmonie Kissingen musizieren 30 Stunden pro Woche und absolvieren bis zu drei Auftritte pro Tag. Zusätzlich arbeiten sie zehn Stunden in der Verwaltung. Damit sind insgesamt rund 160 Arbeitsstunden pro Monat festgelegt – doppelt so viel wie in gängigen Tarifverträgen vereinbart. Mertens: „Zeit zum häuslichen Üben bleibe da oft kaum. Dieses zementierte Ausbeutungsverhältnis muss endlich durchbrochen werden und ein für beide Seiten fairer Tarifvertrag geschlossen werden.“