Öffentliche Stellungnahme zum eskalierten Tarifkonflikt in Bad Kissingen

Vorgehen der Arbeitgeberin erinnert an unrühmliche Praktiken vergangener Zeiten
Staatsbad Philharmonie Kissingen
Die Musikerinnen und Musiker der Staatsbad Philharmonie Kissingen wollen faire Arbeitsbedingungen und eine gerechte Entlohnung © DOV

Berlin / Bad Kissingen – Die Stadt Bad Kissingen hat den Tarifkonflikt mit den Mitgliedern der Staatsbad Philharmonie und ihrer Gewerkschaft DOV eskaliert. Obwohl die Orchestermitglieder erklärtermaßen von der DOV vertreten werden wollen, wurden sie per Weisung von Geschäftsführerin Sylvie Thormann zu einem Treffen einberufen. Dabei verkündete sie, es werde praktisch keine Gehaltserhöhungen geben. Anschließend soll jedem einzelnen Orchestermitglied im Gespräch ein Individualvertrag vorgelegt werden. Aus Sicht der Musikerinnen und Musiker wirkt dieses Verhalten wie eine Drohung und ein Versuch, das Orchester zu spalten. Derartige unrühmliche Praktiken sollten eigentlich der Vergangenheit angehören. Noch immer verweigern Thormann und Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) jegliches Gespräch mit der DOV als Gewerkschaft der Orchestermitglieder. Gleichzeitig haben sie das Klima in der Stadt leider derart polarisiert und gegen das Orchester aufgeladen, dass wir eine vergiftete Atmosphäre konstatieren müssen.

Von einer „signifikanten Verbesserung der Gehaltsstruktur“, wie es in einem Statement der Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH heißt, kann keine Rede sein. Weder das viel zu niedrige Durchschnittsgehalt der Orchestermitglieder soll steigen, noch soll es Tariferhöhungen und Altersstufen geben. Diese Komponenten sind grundlegende Bausteine in den fairen und für Berufsorchester deutschlandweit gültigen Tarifbedingungen. Deshalb klingt es in den Ohren der Orchestermitglieder wie Hohn, wenn Thormann und Vogel öffentlich verbreiten, sie hätten ein „Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen“ vorgestellt.

Die DOV fordert eine Tarifvergütung für die Orchestermitglieder entsprechend der untersten Vergütungsgruppe D für Berufsorchester. Das ist alles andere als vermessen. Wie angesichts eines derart bodenständigen Vorschlags bei den wirtschaftlich und politisch Verantwortlichen in der Stadt der Eindruck von ,Raffgier‘ entstehen kann, bleibt schleierhaft. Erklären lässt sich das wohl nur mit einem völligen Verkennen der professionellen und künstlerischen Expertise und des außergewöhnlichen Engagements der Orchestermitglieder.

Das kommt auch in dem unpassenden Vergleich mit den örtlichen Musikschullehrkräften zum Ausdruck, den Oberbürgermeister Vogel immer wieder in der Öffentlichkeit bemüht. Die wichtige Bildungsarbeit der Musikschullehrkräfte verdient allen Respekt. Es ist aber etwas völlig anderes, täglich im Rampenlicht zu stehen und die Stadt Bad Kissingen als Kulturbotschafter des UNES-CO Welterbes exponiert zu repräsentieren. Hinzu kommt, dass die Musikschullehrkräfte regelmäßige Tariferhöhungen erhalten und in höhere Altersstufen aufsteigen. Gerade dies wird den Orchestermitgliedern verwehrt. Anders als bei Musikschullehrkräften steigt ihr Gehalt damit nicht regelmäßig.

 

Gerald Mertens, DOV-Geschäftsführer: „Der Umgang mit den Musikerinnen und Musikern als wichtigen Repräsentanten des UNESCO Welterbes von Bad Kissingen ist unwürdig und beschädigt das Ansehen der Stadt in ganz Deutschland. Ich bitte Frau Thormann und Herrn Vogel, diesem unwürdigen Zustand ein Ende zu machen und sich endlich mit uns an einen Tisch zu setzen. Beim Festakt der Stadt Bad Kissingen anlässlich der Anerkennung als UNESCO Welterbe am 30. Juli sagte Herr Vogel noch: ‚Man muss sich auf einen Dialog einlassen, man muss diskutieren. Nur dann kommt man zu guten Lösungen.‘ Daran muss er sich nun messen lassen, insbesondere als Mitglied der SPD.“

 

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