Dossier: Frauen in Berufsorchestern

Die Zukunft der Orchester ist weiblich.

1971 waren knapp sechs Prozent der Orchestermitglieder Frauen.[1] Bis 1987 stieg ihr Anteil auf 12 Prozent.[2] Aktuell sind 41 Prozent der Orchestermitglieder weiblich: Von den rund 10.400 berufsaktiven Versicherten im Versorgungswerk der Berufsorchester (VddKO) sind 4.270 Frauen.[3] Leider gilt noch immer: Je berühmter ein Orchester, desto geringer die Frauenquote. Von 129 Berufsorchestern in Deutschland liegt bei 14 der Frauenanteil über 50 Prozent.

Die Alterspyramide zeigt eine deutliche Geschlechterverschiebung: Während Männer besonders stark in der Altersgruppe ab 50 vertreten sind, sind Frauen in der Altersgruppe zwischen 25 und 45 im Schnitt in der Mehrheit.[4] Mit dem Ausscheiden älterer Musiker wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen. Zudem gibt es mehr weiblichen Nachwuchs. Auch dies trägt dazu bei, dass der Frauenanteil in den Berufsorchestern weiter steigen wird.

Seit Jahrzehnten gibt es gleiches Geld für gleiche Arbeit.

Die geltenden Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern. Im Vergleich zu anderen Feldern des Kultursektors und vielen Wirtschaftszweigen existiert in Berufsorchestern absolute Lohngleichheit bei identischer Tätigkeit. Sie wird seit Jahrzehnten tarifvertraglich gewährleistet.

In einzelnen Instrumentengruppen sind Frauen führend.

Nach der DOV-Mitgliederstatistik spielen bei den hohen Streichern (1. und 2. Violinen) fast doppelt so viele Frauen wie Männer. Bei den Bratschen liegen Frauen und Männer im tutti in den Berufsorchestern zurzeit fast paritätisch gleich auf. Flöte spielen deutlich mehr Frauen. Auch die Harfe ist weiter eindeutig frauenspezifisch. Beim Schlagwerk (Pauke und Schlagzeug) sowie bei Blechblasinstrumenten wie Trompete sind Männer nach wie vor dominierend.

Die Weichen werden in der Kindheit gestellt.

Die Entscheidung zum Erlernen eines Instruments wird im frühen Kindesalter in der Regel von musikaffinen Eltern getroffen. Es gibt Instrumente, die in der Kinder- und Jugendzeit traditionell mehrheitlich eher von Jungen oder von Mädchen erlernt werden. Für Blechblasinstrumente, Schlagzeug/Pauken und Kontrabass begeistern sich überwiegend Jungen. Harfe, Flöte oder Piccoloflöte sind vor allem bei Mädchen beliebt. Dieser Trend setzt sich naturgemäß bei weiterer Professionalisierung in den Musikschulen, -hochschulen und Orchestern fort.

Bei Führungspositionen haben Orchestermusikerinnen Nachholbedarf.

Das Verhältnis Konzertmeistern bzw. Konzertmeisterinnen beträgt 63 zu 37 Prozent. In anderen Streichergruppen dominieren Männer noch stärker. Beim Violoncello Solo besetzen Frauen zum Beispiel nur rund ein Fünftel der Positionen. Aufgrund der Entwicklung im Tutti-Bereich ist damit zu rechnen, dass in den kommenden zehn Jahren in allen Streichergruppen mehr Frauen Führungspositionen besetzen werden.

An den Musikhochschulen gibt es mehr Studentinnen.

Bei den Studierenden im Fach Instrumental-/Orchestermusik waren Frauen seit 2001 in der Mehrzahl. Seitdem ist ihr Anteil relativ konstant über 50 Prozent. [5]

 

Quellen:
[1] DMR-Info, Zahlenmaterial Stand 01.10.1971
[2] Tagesspiegel, 25.03.2012, https://www.tagesspiegel.de/kultur/schluss-unserer-serie-um-die-quote-vorspielen-hinterm-vorhang/6369248.html, abgerufen am 27.02.2019
[3] VddKO-Geschäftsbericht 2018, Seite 57 (aktuellste verfügbare Daten), http://portal.versorgungskammer.de/portal/pls/portal/!PORTAL.wwpob_page.show?_docname=12169030.PDF, abgerufen am 20.02.2020
[4] VddKO-Geschäftsbericht 2018, Seite 59, Link siehe Fußnote 3
[5] http://www.miz.org/downloads/statistik/10/10_Studierende_Musikberufe_Frauen_Auslaender.pdf, abgerufen am 20.02.2020

 

Stand: 04.03.2020

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