DOV-Honorarmindeststandards

Immer mehr Musiker:innen spielen in Projektorchestern und -ensembles. Sie spielen Kammerkonzerte in Kulturhäusern, Jazz in Clubs oder führen Oratorien in Kirchen auf. Die Gagen sind tarifvertraglich nicht geregelt. Oft haben Freischaffende geringe Verhandlungsmacht, weil sie Einzelkämpfer oder kleine Gruppen sind. Damit sie für ihre Arbeit das Geld bekommen, das ihnen zusteht, hat die DOV eine Kampagne für Mindesthonorare gestartet. Ziel ist, die Bezahlung nachhaltig zu verbessern.

Diese Honorarmindeststandards gelten vor allem für öffentlich geförderte Musikprojekte.
Für Aushilfstätigkeiten in Orchestern und Chören gelten besondere Bedingungen.

Ehrenkodex

Festangestellte und freischaffende Musiker:innen sollen sich verpflichtet fühlen, nicht unter diesen Sätzen zu spielen.

Folgende Sätze bilden für die Honorierung von Musiker:innen eine absolute Untergrenze:     

Probensatz125 Euro
Tagessatz (inkl. Konzert)250 Euro
+ 25 Prozent für Sonderleistungen

Sonderleistungen sind:

  • Solo/Stimmführung bzw. solistisch auftretende Ensemblemusiker:innen, gerade im Bereich der alten und zeitgenössischen Musik
  • Transport großer Instrumente
  • Stimmen von Tasteninstrumenten
  • Mehrfache Aufführungen am Konzerttag
  • Besonders lange (über 3 Stunden) oder besonders schwierige Werke
  • Entfernungen zwischen Wohn- und Spielort von über 100 Kilometern
  • Eintägiges Projekt

Jenseits der Honorarmindeststandards als unterste Grenze sind auskömmliche Honorare anzustreben. Dafür fordert die DOV perspektivisch:

Probensatz250 Euro
Tagessatz500 Euro
+ 25 Prozent für Sonderleistungen

Die Honorarmindeststandards stellen eine absolute Untergrenze dar. Freischaffende Musiker:innen haben zahlreiche zusätzliche Aufwendungen, die sich aus ihrer Selbstständigkeit ergeben (u.a. Betriebskosten inkl. Instrumentenanschaffung, Altersvorsorge, Unfallversicherung, krankheitsbedingte Ausfalltage), und müssen individuelle Vorbereitungs- und Reisezeiten einkalkulieren. Diese Faktoren werden in einem ansatzweise auskömmlichen Honorar berücksichtigt.

Berechnungsgrundlage

Die Berechnungen der DOV-Mindesthonorarstandards orientieren sich an einer mittleren Tarifvergütung (TVK B) und werden an deren regelmäßige Erhöhung angepasst. Einsicht in detaillierte Berechnungsgrundlagen gewährt die DOV bei begründetem Interesse.

Weitere Hinweise

  1. Die Honorarmindeststandards finden auch Anwendung bei musikalischen Gelegenheitsgeschäften („Muggen“) und Kirchenkonzerten. Auch Studierende erhalten die vollen Honorarmindeststandards, wenn das Projekt nicht hauptsächlich der Nachwuchsförderung dient.
  2. Fahrtkosten sind nach dem Reisekostengesetz des Sitzbundeslandes zu erstatten (mindestens 25 Cent/km ab dem ersten Kilometer bzw. DB-Ticket 2. Klasse).
  3. Ton- und Bildaufnahmen sowie die Einräumung von Nutzungsrechten erfordern eine gesonderte schriftliche Vereinbarung vor Herstellung der Aufnahme. Für die Einräumung von Nutzungsrechten ist den Musiker:innen eine zusätzliche angemessene Vergütung zu zahlen. Die Einräumung der Nutzungsrechte ist nicht durch die oben genannten Honorarsätze abgegolten.
  4. Zahlungen erfolgen innerhalb von 30 Tagen nach Projektende (§ 286 Abs. 3 BGB). Anderenfalls können Schadensersatzansprüche entstehen (§§ 280 Abs. 1, 2, 286 BGB).
  5. Die maximale Probendauer beträgt drei Stunden einschließlich einer Pause von mindestens 20 Minuten.
  6. Musiker:innen wird empfohlen, mündliche Vertragsdetails per E-Mail zu bestätigen. Einen Mustervertrag finden Sie hier.
  7. Ausfallhonorare sind wie folgt zu zahlen [in Prozent des vereinbarten Honorars]:
Absage bis 48 Stunden vor der Aufführung100
Absage bis 1 Woche vor der Aufführung 80
Absage bis 4 Wochen vor der Aufführung  50
Absage bis 12 Wochen vor der Aufführung 20

Stand: April 2022